Recht & Steuernbeim Verkauf getragener Wäsche

Du willst getragene Wäsche verkaufen, aber Begriffe wie „Gewerbeamt“ oder „Steuererklärung“ machen dir Sorgen? Wir erklären dir Schritt für Schritt, wie du sicher und legal startest.

Hinweis: Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Bei komplexen Fragen wende dich an einen Fachexperten.

Gewerbe anmelden? Ja oder Nein?

Wann aus einem Hobby ein Beruf wird – und warum das gar nicht schlimm ist.

Was ist das eigentlich?

Stell dir vor, du mistest einmal im Jahr deinen Kleiderschrank aus und verkaufst alte Sachen auf dem Flohmarkt. Das ist privat.

Aber wenn du gezielt Unterwäsche kaufst, sie trägst und dann verkaufst, um damit regelmäßig Geld zu verdienen, dann bist du Unternehmerin. Das nennt man dann Gewerbe. Wenn du das neben deinem Hauptjob machst, ist es ein Nebengewerbe.

Gemäß § 14 HGB und § 1 GewO ist eine Gewerbeanmeldung erforderlich.

So erkennst du es:

  • • Du willst dauerhaft Gewinn machen (Gewinnabsicht).
  • • Du handelst planmäßig und wiederholst es.
  • • Du trittst nach außen hin als Verkäufer auf.
  • Anmeldung in 3 einfachen Schritten

    1

    Ab zum Amt (oder ins Internet):

    Du gehst zum Gewerbeamt deiner Stadt oder machst es online. Du füllst das Formular „GewA1" aus. Das dauert 10 Minuten und kostet meist zwischen 20 € und 60 €.

    2

    Post vom Finanzamt:

    Nach ein paar Wochen meldet sich das Finanzamt. Du musst einen Fragebogen ausfüllen (das geht online über ELSTER). Wichtig: Kreuze hier die Kleinunternehmerregelung an, wenn du am Anfang noch nicht riesige Umsätze machst.

    3

    Zurücklehnen:

    Die IHK meldet sich automatisch. Keine Sorge: Als Anfänger mit kleinem Gewinn musst du dort meistens keine Beiträge zahlen.

    Achtung, Falle!

    Die häufigsten Fehler, die du leicht vermeiden kannst:

    Chef nicht fragen: Schau in deinen Arbeitsvertrag. Oft musst du deinem Chef kurz Bescheid geben, dass du nebenbei was machst.

    Krankenkasse ignorieren: Ruf kurz an und sag Bescheid. Wenn du das Gewerbe nur nebenbei machst, ändert sich an deiner Versicherung meistens gar nichts.

    Falsche Adresse: Vermeide es, Kunden zu dir nach Hause einzuladen. Online-Handel ist aber okay.

    Pro-Tipp: Trenne dein Geld

    Eröffne ein zweites Konto (ein kostenloses reicht). Alle Einnahmen gehen da drauf, alle Ausgaben für Wäsche und Porto gehen da runter.

    So hast du am Jahresende für die Steuer sofort den Überblick.

    Steuern verstehen (ohne Kopfweh)

    Was bleibt am Ende für dich übrig? Wir rechnen es durch.

    Die Einkommensteuer

    Du zahlst Steuern auf deinen Gewinn. Aber erst, wenn du insgesamt (Job + Gewerbe) genug verdienst.

    Freibetrag (2024): ca. 11.604 €.

    Verdienst du insgesamt weniger? Dann zahlst du meist 0 € Steuern.

    Nach § 15 EStG sind Einkünfte aus Gewerbebetrieb steuerpflichtig.

    Die Umsatzsteuer

    Normalerweise muss jeder 19 % MwSt abführen. Du aber vielleicht nicht!

    Der Joker: Kleinunternehmerregelung.

    Wenn du unter 22.000 € Umsatz im Jahr bleibst, kannst du die MwSt einfach ignorieren.

    Kleinunternehmer können nach § 19 UStG befreit sein.

    Ordnung ist alles

    Kein Beleg = Keine Ausgabe = Mehr Steuern zahlen.

    Tipp:

    Mach von jedem Kassenzettel (Wäschekauf, Briefmarken) sofort ein Foto. Das reicht oft schon.

    Gemäß § 90 AO bestehen Aufzeichnungspflichten. Aufbewahrungspflichten regelt § 147 AO.

    Ein echtes Rechenbeispiel

    Lass uns schauen, wie es bei Lisa aussieht. Sie verkauft getragene Wäsche nebenbei:
    Einnahmen
    Verkauf von Wäsche+ 4.200,00 €
    Geld für Versand+ 350,00 €
    Alles zusammen4.550,00 €
    Ausgaben
    Kauf der Wäsche- 850,00 €
    Gebühren an Plattformen- 450,00 €
    Briefmarken & Kartons- 400,00 €
    Anteil Internet/Handy- 150,00 €
    Gesamte Ausgaben-1.850,00 €
    = Dein Gewinn2.700,00 €

    Nur diese 2.700 € sind wichtig für die Steuer.

    Steuer-Checkliste

    ELSTER-Zugang: Kümmere dich frühzeitig um das Zertifikat für die Online-Steuererklärung. Das dauert oft 2 Wochen per Post.

    Privat oder Gewerbe? Viele denken: unter 600 € ist alles steuerfrei. Das gilt aber nur für private Verkäufe!

    Rechnungen schreiben: Für Privatkunden musst du das eigentlich nicht. Aber eine Quittung wirkt professionell.

    Sicher & Legal bleiben

    Darf ich das eigentlich? Und wie schütze ich meine Privatsphäre?

    Wie bleibe ich anonym?

    Das Wichtigste zuerst: Deine echte Adresse oder Telefonnummer haben im Internet nichts verloren.

    So schützt du deine Daten:

  • • Fotos säubern: Handys speichern den Ort im Foto (GPS). Lösche diese Daten mit Apps wie ExifCleaner, bevor du Bilder hochlädst.
  • • Extra E-Mail & Handy: Benutze niemals deine private Haupt-Mail oder Handynummer. Hol dir eine Prepaid-Karte nur fürs Geschäft.
  • • Künstlername: Leg dir ein Pseudonym zu.
  • • Hintergrund-Check: Schau deine Fotos genau an. Liegt da Post mit deiner Adresse? Weg damit!
  • Nach § 1 BDSG und Art. 6 DSGVO ist die Verarbeitung personenbezogener Daten rechtmäßig zu gestalten.

    Ist das überhaupt legal?

    JA, ABER…

    Grundsätzlich ist der Verkauf erlaubt, solange alle über 18 sind. Es gibt aber zwei Grenzen: Hygiene und Sittenwidrigkeit.

  • • Verkaufe keine Körperflüssigkeiten, die krank machen könnten.
  • • Bleib hygienisch: Verkaufe den Duft und das Tragen, aber keine verschmutzten Artikel, die gesundheitsgefährdend sind.
  • Gemäß § 312 BGB und § 355 BGB haben Verbraucher Widerrufsrechte bei Fernabsatzverträgen.

    Muss meine Adresse ins Internet?

    Wenn du gewerblich handelst, brauchst du eigentlich ein Impressum. Das ist die Zwickmühle.

    Lösung: Nutze einen „Impressumsservice“ oder „Postscan-Service“. Da mietest du eine Adresse, die Post wird gescannt und dir gemailt.

    Nach § 5 TMG (jetzt § 5 DDG) und § 13 TMG sind Impressum und Datenschutzerklärung erforderlich.

    Melden die Plattformen ans Finanzamt?

    Ja, seit 2023 gibt es ein neues Gesetz (PStTG). Plattformen müssen dem Finanzamt melden, wer viel verkauft. Die Grenze liegt bei 30 Verkäufen oder 2.000 € Umsatz im Jahr.

    Checkliste: Bereit für den ersten Verkauf?

    1

    Bist du auf der Plattform als über 18 verifiziert?

    2

    Hast du eine extra E-Mail-Adresse eingerichtet?

    3

    Sind deine Fotos frei von GPS-Daten und privaten Details?

    4

    Weißt du, wie du bezahlt wirst?

    5

    Hast du neutrale Verpackung besorgt?

    6

    Gewerbeanmeldung zumindest schon mal vorbereitet?

    Warum der Aufwand?

    Seit dem Plattformen-Transparenzgesetz (PStTG) sind die Zeiten des heimlichen Verkaufens vorbei. Ein angemeldetes Gewerbe ist dein bester Schutzschild.

    Mythos vs. Realität:

    Das Finanzamt interessiert sich nicht für Kleinkram.

    Realität: Computerprogramme gleichen Daten automatisch ab.

    Schutz vor Erpressung

    Niemand kann dir drohen, wenn du eh schon angemeldet bist.

    Professionelles Mindset

    Wer es als Business sieht, verdient meistens auch mehr Geld.

    Keine bösen Briefe

    Vermeide gelbe Briefe mit Bußgeldbescheiden Jahre später.

    Ordnung für Faule (Praxis-Tipps)

    DIE 3-ORDNER-METHODE
    Du brauchst kein Büro. Ein simpler Ordner reicht:
  • Eingang: Rechnungen für alles, was du kaufst.
  • Ausgang: Kopien deiner Verkäufe (Screenshot reicht).
  • Bank: Kontoauszüge deines Geschäftskontos.
  • Digital ist besser

    Nutz eine Scan-App auf dem Handy. Fotografier jeden Beleg sofort ab. Thermopapier bleicht aus!

    Häufige Fragen (FAQ)

    Muss ich wirklich ein Gewerbe anmelden?

    Ja, wenn du regelmäßig und mit Gewinnabsicht verkaufst. Die Anmeldung ist unkompliziert und kostet nur 20–60 €.

    Was kostet der Spaß?

    Gewerbeanmeldung: 20–60 €. Danach fallen nur Steuern auf deinen Gewinn an, wenn du über dem Freibetrag liegst.

    Erfährt mein Arbeitgeber davon?

    Nur wenn du es ihm sagst (was du je nach Arbeitsvertrag solltest). Das Finanzamt informiert deinen Chef nicht.

    Was passiert, wenn ich erwischt werde?

    Bei Steuerhinterziehung drohen Nachzahlungen plus Zinsen. Deshalb lieber von Anfang an ehrlich sein.

    Welcher Typ bist du? (Szenarien)

    1

    Die Anfängerin

    Lisa studiert und will ihr Bafög aufbessern.
  • → Achtung: Bafög-Grenzen prüfen! Zu viel Gewinn kürzt das Bafög.
  • → Familienversicherung: Darf meist bleiben, wenn Gewinn unter ca. 505 €/Monat liegt.
  • 2

    Der Nebenjob-Profi

    Sarah arbeitet 40h und verkauft am Wochenende.
  • → Steuerklasse: Das Gewerbe hat keine eigene Steuerklasse, der Gewinn kommt einfach oben drauf.
  • → Zeit: Darf nicht mehr als 18–20h/Woche nebenbei arbeiten.
  • 3

    Die Vollzeit-Queen

    Jessica macht das als Hauptberuf.
  • → Krankenkasse: Muss sich selbst versichern. Teuer!
  • → Umsatzsteuer: Über 22.000 € Umsatz? Dann muss sie 19 % ans Amt abführen.
  • Deine Aufgaben

    BEVOR DU STARTEST
  • Separates Bankkonto eröffnet
  • Wegwerf-Email & Prepaid-SIM besorgt
  • Gewerbeanmeldung abgeschickt
  • JEDEN MONAT
  • Einnahmen & Ausgaben eingetragen
  • Belege digitalisiert & abgeheftet
  • Umsatzgrenze (22.000 €) geprüft
  • Häufige Fehler vermeiden

    1

    Private Konten nutzen: Vermische nie dein Gehalt mit Gewerbe-Einnahmen.

    2

    Briefe ignorieren: Wenn das Amt schreibt, antworte sofort. Fristen sind heilig.

    3

    Plattform-Regeln brechen: Wer Gebühren umgeht, verliert seinen Account.

    Ressourcen & Hilfe

    Tipp: Such dir bei komplexen Fragen einen Steuerberater, der „E-Commerce“ versteht.

    Offizielle Quellen & Behörden

    Direktlinks zu den wichtigsten Institutionen

    Bereit für den Start?

    Ein Gewerbe ist kein Hexenwerk. Wenn du die Regeln kennst, kannst du entspannt Geld verdienen.

    1. Anmelden

    Gewerbeamt besuchen, fertig.

    2. Sammeln

    Jeden Beleg sofort abheften.

    3. Wachsen

    22.000 €-Grenze im Auge behalten.

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